Geld im Kinderdepot oder im Depot der Eltern sparen?

Wenn du Geld für deine Kinder sparen und anlegen willst, dann gibt es eine wichtige Frage und sie ist wirklich wichtig, also brich die Entscheidung nicht übers Knie.

Es geht darum, ob du das Geld für deine Kinder in deinem eigenen Depot sparen möchtest oder, ob du ein Kinderdepot eröffnen möchtest und auf den Namen deines Kindes sparst.

Beide Varianten haben ganz eigene Vorteile, aber auch einige Nachteile und die wollen wir uns in diesem Artikel in Ruhe anschauen.

Sparen im Elterndepot

Bei diesem Ansatz legst du das Geld für dein Kind in deinem Depot an. Im Idealfall nutzt du dafür natürlich trotzdem einen eigenen ETF, damit es nicht zur Vermischung von dem Geld für dein Kind und deiner eigenen Rücklage kommt.

Vorteile vom Sparen im Elterndepot

Der vielleicht größte Vorteil dieser Art für dein Kind zu sparen ist, dass das Geld dir bzw. den Eltern gehört. Du hast die volle Kontrolle über das angesparte Geld und kannst frei oder in Absprache mit deinem Kind entscheiden, wann und in welcher Form das Geld ausgezahlt wird.

Ein weiterer Vorteil ist, dass du nicht erst aufwendig ein Junior-Depot eröffnen musst, sondern einfach einen zweiten und im besten Fall kostenlosen ETF als Sparplan hinterlegen kannst.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist der Punkt mit dem BAföG, denn wenn du auf den Namen deines Kindes sparst und das Geld ihm gehört, kann es bei einem späteren BAföG Antrag dazu kommen, dass das Vermögen deines Kindes zu hoch ist und kein Anspruch besteht oder der Satz gemindert wird. Läuft das Depot auf deinen Namen, gibt es dieses Problem nicht.

Nachteile vom Sparen im Elterndepot

Das häufigste Argument, das für ein Junior-Depot genutzt wird, ist auch gleich der erste Nachteil, der entsteht, wenn man im elterlichen Depot spart. Man kann keine Freibeträge des Kindes nutzen.

Jede Person hat einen eignen Freibetrag von 801 Euro, den sogenannten Sparer-Pauschbetrag. Einfach gesprochen werden für den Freibetrag von 801 Euro keine Steuern fällig, wenn sie aus Kapitalerträgen, also z.B. Zinsen kommen.

Falls du richtig fleißig für dein Kind gespart hast, dann kann die Schenkungssteuer zu einem Problem für dich werden. Die Werte sind aber so hoch, ich glaube fast, dass sie für die meisten Eltern eigentlich nicht wirklich relevant werden. Wenn es nämlich steuerfrei bleiben soll, dann kannst du deinem Kind nur 400.000 Euro über einen Zeitraum von 10 Jahren schenken.

Ein bisschen dünner wird die Luft für Großeltern, denn sie können innerhalb von 10 Jahren nur 200.000 Euro steuerfrei an ihre Enkel verschenken. Bei Nichten und Neffen sinkt der Freibetrag dann nochmal, nämlich auf 20.000 Euro.

Sparen im Junior-Depot

Es klingt zwar gut, den Freibetrag des Kindes mit nutzen zu können, aber auch das Sparen im Junior- oder Kinderdepot hat seine Vorteile und Nachteile.

Vorteile vom Sparen im Junior-Depot

Wenn das Kind von Anfang an ein eigenes Depot bekommt, das auf seinen Namen läuft und die Eltern nur eine Verwaltungsvollmacht bis zur Volljährigkeit haben, gibt es keine rechtlichen Probleme z.B. bei einer Scheidung der Eltern, denn das Geld gehört dem Kind.

Ich erwähne das an dieser Stelle nur noch mal der Vollständigkeit halber. Jede Person kann den Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 801 Euro nutzen, natürlich auch dein Kind. Für dich hätte das den erfreulichen Vorteil, eventuell Steuern zu sparen.

Neben dem Sparer-Pauschbetrag hat dein Kind aber noch andere Freibeträge, die genutzt werden können. So hat dein Kind, wo wie du auch, einen steuerlichen Grundfreibetrag von 10.347 Euro und es gibt noch den Sonderausgaben-Pauschbetrag von 36 Euro.

Alles in allem kann das Kind so ein Depot steuerfrei halten bis es eine Größe von etwas mehr als 140.000 Euro erreicht, wenn es auf seinen Namen läuft und dein Kind keine anderen Einkünfte hat.

Nachteile vom Sparen im Junior-Depot

Nachteile gibt es hier so einige und sie haben oft irgendwas mit Obergrenzen und Freibeträgen zu tun. So beispielsweise beim BAföG, denn hier gibt es eine Obergrenze bzw. einen Freibetrag von 8.200 Euro. Hat dein Kind mehr Geld auf dem Kinderdepot, wird es bei einem BAföG-Antrag gegengerechnet und der BAföG-Satz wird entsprechend gekürzt.

Stell dir mal vor, dein Kind will mit 18 Jahren studieren gehen, geht BAföG beantragen und auf dem Junior-Depot, das jetzt dem Kind gehört, liegen 12.000 Euro. Das BAföG-Amt wird dann den Freibetrag von 8.200 Euro von diesen 12.000 abziehen und die übrigen 3.800 Euro auf 12 Monate verteilen. Für dein Kind würde das also bedeuten, dass ihm jeden Monat 317 Euro vom BAföG-Höchstsatz abgezogen werden.

In einem solchen Fall wird es ein echter Nachteil auf den Namen des Kindes gespart zu haben und wenn man früh anfängt, sind 8.200 Euro schnell zusammengespart.

Ebenfalls erst ab einer sehr hohen Summe relevant ist der Wegfall der Familienversicherung. Sollte das Depot des Kindes Erträge durch z.B. Zinsen von mehr als 445 Euro im Monat bzw. 5340 Euro im Jahr erwirtschaften, würde die kostenlose Familienversicherung des Kindes entfallen.

Der Nachteil, der mich dazu gebracht hat, mich gegen ein Kinderdepot zu entscheiden ist, dass das Geld mit 18 dem Kind gehört und es damit tun und lassen kann, was es will. Wenn also alles schiefläuft, dann ist dein Kind mit 18 in einer besonders rebellischen Phase und lädt von dem Geld seine Freunde ein, um es auf Ibiza zu versaufen. Komisches Beispiel, aber du weißt sicher was ich meine.

Natürlich sollte man alles dafür tun, dass seine Kinder dazu in der Lage sind, mit Geld umzugehen, aber es gibt eben keine Garantie.

Wofür ich mich entschieden habe

Alle Freibeträge hin oder her, wenn ich daran zurückdenke, wie gut ich mit 18 mit Geld umgehen konnte, nämlich gar nicht, war die Entscheidung für mich relativ einfach. Natürlich spare ich Geld für meine Kinder, aber auf meinem Depot in einem separaten ETF.

Eine Sache, die finde ich zumindest, nur sehr selten betrachtet wird, ist die emotionale Komponente. Es kann durchaus vorkommen, dass Eltern und Kinder in der Zeit, in der das Kind 18 wird nicht das allerbeste Verhältnis haben. Es kann auch anders sein, aber wir haben alle keine Glaskugel und können es nicht wissen.

Wenn jetzt dein Kind auf einmal über das ganze Geld verfügen kann, das ihr als Eltern eventuell unter der Mithilfe von Großeltern und anderen Verwandten gespart habt, dann kann das böse nach hinten losgehen. Wenn es wegen des Ersparten zu Streit kommt und dein Kind entscheidet einfach alles aus Trotz auszugeben, kann das euer Eltern-Kind-Verhältnis umso mehr belasten.

Was dann für einen guten Start in die Zukunft geplant war, wird eventuell zu einer echten Probe für die ganze Familie.

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